Alopecia areata (kreisrunder Haarausfall)

Alopecia areata (kreisrunder Haarausfall)

Was ist das?

Alopecia areata ist eine Autoimmunerkrankung der Haarwurzeln. Das Immunsystem greift vorübergehend Strukturen am Haarfollikel an, sodass die Haare ausfallen. Die Haarwurzel wird dabei normalerweise nicht dauerhaft zerstört, so dass das Haar bei guter Therapie oder manchmal spontan wieder nachwachsen kann. Die Krankheit ist nicht ansteckend. Sie kann einzelne Stellen betreffen, aber auch zum vollständigen Verlust der Kopfhaare oder aller Körperhaare führen.

 

Wie erkenne ich sie?

Typischerweise entstehen innerhalb kurzer Zeit runde oder ovale, vollständig kahle Stellen auf der Kopfhaut. Die Haut selbst sieht meist normal aus. Auch Augenbrauen, Wimpern und Körperhaare können betroffen sein. Manchmal verändern sich zusätzlich die Nägel. Der Verlauf ist schwer vorherzusagen: Haare können spontan nachwachsen, gleichzeitig können neue kahle Stellen entstehen.

 

Welche Diagnostik macht ein guter Arzt?

Der Hautarzt untersucht Kopfhaut, übrige Behaarung und Nägel und betrachtet die Haarwurzeln gegebenenfalls mit einem Auflichtmikroskop (Trichoskop). Er bestimmt die Ausdehnung des Haarverlusts und fragt nach Verlauf, früheren Schüben und Begleiterkrankungen. Zur guten Diagnostik gehört auch der Einsatz von Scores und Patientenfragebögen, mit denen der Schweregrad gemessen wird. Bei untypischen Befunden müssen andere Ursachen des Haarausfalls ausgeschlossen werden. Blutuntersuchungen sollten gezielt nach Krankengeschichte und Befund erfolgen – ein großes unspezifisches „Haarausfall-Labor“ ist oft nicht notwendig. Bei einer geplanten innerlichen Behandlung können Blutwerte aber notwendig sein.

 

Wie wird sachgerecht behandelt?

Bei kleinen Herden kann zunächst abgewartet oder örtlich mit Kortison behandelt werden. Je nach Alter und Ausdehnung kommen auch andere lokale Therapien infrage. Bei schwerer Alopecia areata stehen inzwischen zielgerichtete Medikamente zur Verfügung. Die JAK-Hemmer Baricitinib, Ritlecitinib und Upadacitinib sind in Europa für die Behandlung der schweren Alopecia areata ab 12 Jahren zugelassen. Bei der Therapieentscheidung müssen Nutzen, Risiken und die individuelle Krankheitsbelastung berücksichtigt werden. Eine Besonderheit in Deutschland ist, dass das Gesetz die Kostenerstattung für Medikamente gegen den kreisrunden Haarausfall ausschließt. Selbst gut wirksame Arzneimittel können deswegen nur ausnahmsweise verordnet werden.

 

Was kann ich selbst tun?

Die unbehaarte Kopfhaut konsequent vor Sonne schützen. Perücken, Haarteile, Augenbrauenkosmetik und andere kosmetische Hilfen können die Lebensqualität deutlich verbessern. Bei starker psychischer Belastung sollte professionelle Unterstützung angeboten werden. Nahrungsergänzungsmittel helfen nur dann, wenn tatsächlich ein entsprechender Mangel besteht.

 

Gibt es eine Leitlinie?

Ja. Seit 2025/2026 gibt es erstmals eine umfassende deutsche S3-Leitlinie „Diagnostik und Therapie der Alopecia areata bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen“ (AWMF 013-104). Sie ist bis September 2030 gültig.

 

Wo informiere ich mich weiter?

Eine wichtige Selbsthilfeorganisation ist Alopecia Areata Deutschland e.V. (AAD e.V.). Sie bietet Beratung und Patienteninformationen an. Weitere Patientennetzwerke finden sich beim Netzwerk Autoimmunerkrankter (NIK e.V.). Zusätzlich sind die Patienteninformationen der AWMF und der DDG empfehlenswert.