Atopische Dermatitis (Neurodermitis)
Atopische Dermatitis (Neurodermitis)
Was ist das?
Die atopische Dermatitis, auch Neurodermitis genannt, ist eine chronisch-entzündliche, nicht ansteckende Hauterkrankung. Sie tritt oftmals schon im Kleinkindalter auf, kann aber in jeder Lebensphase entstehen. Zwei erbliche Faktoren sind ausschlaggebend: 1) Die Hautschutzbarriere ist gestört und die Haut reagiert besonders empfindlich auf äußere und innere Reize. 2) Das Immunsystem reagiert überschießend und sorgt für starke Hautentzündungen. Für die Betroffenen ist der quälende Juckreiz besonders belastend. Er führt zu Schlaflosigkeit, psychischen und sozialen Einschränkungen sowie insgesamt zu starken Einschränkungen der Lebensqualität. Allergien können zusätzlich vorkommen, sind aber nicht bei allen Betroffenen die Ursache der Neurodermitis.
Wie erkenne ich sie?
Typisch sind trockene, gerötete, entzündete und vor allem stark juckende Hautstellen. Je nach Alter sind unterschiedliche Körperregionen betroffen, beispielsweise Gesicht und Arme bei kleinen Kindern oder Ellenbeugen, Kniekehlen, Hände und Hals bei Jugendlichen und Erwachsenen. Durch Kratzen können Wunden, Krusten und Hautinfektionen entstehen.
Welche Diagnostik macht ein guter Arzt?
Die Diagnose wird meist durch das Gespräch und die Untersuchung der Haut gestellt. Der Arzt beurteilt Ausmaß, Entzündungsstärke, Juckreiz, Schlafstörungen und Auswirkungen auf das tägliche Leben. Er führt eine sorgfältige Untersuchung der gesamten Haut durch. Zur guten Diagnostik gehört dabei der Einsatz von Scores und Patientenfragebögen, mit denen der Schweregrad gemessen wird. Bei einer geplanten innerlichen Behandlung können Blutwerte aber notwendig sein. Allergietests sind nur sinnvoll, wenn es einen konkreten Verdacht gibt; ein wahlloses Testen auf zahlreiche Allergien ist nicht sinnvoll. Auch Begleiterkrankungen wie Asthma oder Heuschnupfen sollten erfragt werden.
Wie wird sachgerecht behandelt?
Grundlage ist eine regelmäßige rückfettende und feuchtigkeitsspendende Basisbehandlung der Haut. Bei leichten Formen werden entzündete Stellen anfangs meist mit Kortisoncremes oder -salben behandelt. Bei längerer Anwendung und an empfindlichen Stellen (Gesicht, Genitalbereich)sind äußerliche Tacrolimus- oder Pimecrolimus-Präparate oft angemessener. Nur noch selten wird die Lichttherapie (UV-Therapie eingesetzt), obwohl sie manchen sehr gut hilft. Bei mittelschwerer bis schwerer Neurodermitis sind sowohl in der Kurz- wie auch in der Langzeittherapie moderne Medikamente der Standard, darunter Biologika und sogenannte JAK-Hemmer. Die Therapie sollte nach Schweregrad und individuellen Bedürfnissen ausgewählt werden. Stets ist auch an die psychosoziale Unterstützung zu denken.
Was kann ich selbst tun?
Die Haut regelmäßig eincremen, möglichst schonend und nicht zu heiß duschen und persönliche Auslöser beobachten. Kratzen lässt sich oft nicht vermeiden, die Unterdrückung führt zu besonderem Stress. Aber: Man kann lernen das Kratzen umzuleiten und sich auch mit kühlenden Maßnahmen zu behelfen. Strenge Diäten ohne nachgewiesene Nahrungsmittelallergie sind nicht zu empfehlen. Ein Neurodermitis-Schulungskurs kann besonders bei Kindern und stärker Betroffenen sehr hilfreich sein.
Gibt es eine Leitlinie?
Ja. Es gibt die deutsche S3-Leitlinie „Atopische Dermatitis“ (AWMF 013-027); sie wurde zuletzt teilaktualisiert und liegt in einer aktuellen Fassung von 2026 vor.
Wo informiere ich mich weiter?
Gute unabhängige Informationen bieten das staatliche Gesundheitsportal gesund.bund.de, die Kampagne "Bitte berühren" der Dermatologen, die Einzelberatung von NIK e.V. sowie der Deutsche Allergie- und Asthmabund (DAAB).