Akne inversa (Hidradenitis suppurativa) – Was empfiehlt die aktuelle Leitlinie?

Akne inversa (Hidradenitis suppurativa) – Was empfiehlt die aktuelle Leitlinie?

Zusammenfassungen der Leitlinien, Stand 11.09.2026

 

Patienteninformation nach der deutschen S2k-Leitlinie zur Therapie der Hidradenitis suppurativa/Acne inversa, AWMF 013-012, Stand August 2024.

 

Die Leitlinie wurde gemeinsam mit dermatologischen, chirurgischen und psychosomatischen Fachgesellschaften sowie Patientenvertretern erarbeitet und ist bis 30.04.2029 gültig.

 

Was ist Akne inversa?

Akne inversa – medizinisch Hidradenitis suppurativa (HS) – ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung, die von den Haarfollikeln ausgeht. Sie tritt bevorzugt dort auf, wo Haare und Drüsen vorkommen und wo Haut auf Haut liegt: insbesondere Achselhöhlen, Leisten, Genital- und Analregion, Gesäß und unter der Brust. Die Erkrankung verläuft meist in Schüben und kann unbehandelt zu dauerhaften Tunnelgängen und Narben führen.

Wichtig: Akne inversa ist keine gewöhnliche Akne, keine Folge mangelnder Hygiene und keine primäre Infektionskrankheit. Bakterien können die Entzündung beeinflussen, sind aber nicht die eigentliche Ursache.

 

Wie wird die Erkrankung richtig untersucht?

Typisch sind wiederkehrende, tiefliegende schmerzhafte Knoten, Abszesse, nässende Öffnungen, Tunnelgänge und Narben an den charakteristischen Körperstellen. Bereits mindestens zwei entsprechende Läsionen innerhalb von sechs Monaten an typischen Stellen sprechen mit hoher Wahrscheinlichkeit für die Erkrankung. Die Diagnose wird in erster Linie durch Anschauen und Abtasten gestellt; manchmal werden Tunnelgänge vorsichtig sondiert.

Ein guter Arzt untersucht alle möglicherweise betroffenen Körperregionen und bestimmt den Schweregrad, heute vorzugsweise mit dem IHS4. Dabei zählen entzündliche Knoten, Abszesse und drainierende Tunnel. Zusätzlich sollten Schmerzen und die Beeinträchtigung der Lebensqualität erfasst werden. Ultraschall kann bei tiefer liegenden Veränderungen hilfreich sein; bei kompliziertem perianalem Befall kann ein MRT sinnvoll werden. Laboruntersuchungen und Abstriche sind nicht automatisch erforderlich, sondern richten sich nach Krankheitsaktivität und dem Verdacht auf eine zusätzliche Infektion.

Auch Begleiterkrankungen sollten beachtet werden, beispielsweise Gelenkentzündungen, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Übergewicht, Diabetes und Herz-Kreislauf-Risikofaktoren sowie Depressionen oder Angststörungen.

 

Wie wird Akne inversa behandelt?

Die Therapie muss sich danach richten, ob vor allem aktive Entzündungen oder bereits dauerhafte Tunnel und Narben bestehen.

Bei milder Erkrankung kann beispielsweise Clindamycin als Lösung äußerlich eingesetzt werden. Bei stärkerer entzündlicher Erkrankung kommen zeitlich begrenzt Antibiotika wie Doxycyclin oder die Kombination Clindamycin/Rifampicin infrage. Antibiotika werden bei Akne inversa dabei nicht nur wegen ihrer Wirkung gegen Bakterien, sondern auch wegen ihrer entzündungshemmenden Eigenschaften eingesetzt. Nach spätestens drei Monaten sollte überprüft werden, ob eine Fortsetzung sinnvoll ist.

Bei mittelschwerer bis schwerer Akne inversa stehen moderne Biologika zur Verfügung. In der Leitlinie werden insbesondere Adalimumab, Secukinumab und Bimekizumab empfohlen beziehungsweise als zugelassene Therapieoptionen aufgeführt.

Sind bereits dauerhafte Tunnelgänge und Narben entstanden, können Medikamente allein diese Gewebeveränderungen nicht beseitigen. Dann spielen operative Verfahren eine zentrale Rolle. Einzelne Tunnel können beispielsweise durch ein gewebeschonendes Deroofing eröffnet werden; bei ausgeprägter Erkrankung kann eine vollständige Entfernung des dauerhaft geschädigten Gewebes erforderlich sein.

Besonders wichtig ist deshalb häufig die Kombination aus medikamentöser Entzündungshemmung und gezielter Operation: Medikamente kontrollieren die aktive Entzündung, die Operation entfernt bereits irreversibel geschädigtes Gewebe.

 

Was ist das Ziel der Behandlung?

Ziel ist, neue Knoten und Abszesse zu verhindern, Schmerzen und Sekretion zu vermindern, neue Tunnel und Narben zu vermeiden und die Lebensqualität wiederherzustellen. Die Behandlung sollte regelmäßig überprüft werden. Wenn nach etwa 12 Wochen weder die Entzündungsaktivität deutlich zurückgegangen noch die Lebensqualität besser geworden ist, empfiehlt die Leitlinie eine Änderung der Therapie.

 

Was kann ich selbst tun?

Abszesse niemals selbst aufstechen, ausdrücken oder aufschneiden. Dadurch können Entzündungen tiefer ins Gewebe gelangen.

Regelmäßige Hautpflege ist sinnvoll. Reibung sollte möglichst reduziert werden; die Leitlinie weist insbesondere auf enge Kleidung, starkes Schwitzen und Nassrasur als mögliche verstärkende Faktoren hin.

Rauchen und Übergewicht sind wichtige beeinflussbare Risikofaktoren. Die Leitlinie empfiehlt daher Unterstützung beim Rauchstopp sowie eine kalorienbewusste Ernährung und körperliche Bewegung. Dabei gilt: Rauchen und Übergewicht können die Erkrankung verschlechtern, sie sind aber nicht einfach „die Ursache“ der Akne inversa.

Sehr hilfreich können außerdem regelmäßige Fotos und ein Beschwerdetagebuch sein, in dem neue Knoten, Schmerzen, Sekretion und mögliche Auslöser dokumentiert werden.

Wann sollte ich mich erneut an meinen Arzt wenden?

Wiederkehrende schmerzhafte „Abszesse“ oder „Furunkel“ an Achseln, Leisten, Gesäß oder Genitalregion sollten frühzeitig dermatologisch abgeklärt werden. Die Leitlinie betont, dass eine frühe Diagnose und Behandlung die Chancen verbessert, bleibende Gewebeschäden zu verhindern. Bei unzureichender Besserung, Therapieversagen oder weiterer Verschlechterung sollte ein spezialisiertes Zentrum hinzugezogen werden.

Auch Schmerzen und psychische Belastungen gehören zur Behandlung. Depression, Angst, sozialer Rückzug oder Probleme in Partnerschaft und Sexualität sollten offen angesprochen werden; bei Bedarf empfiehlt die Leitlinie die Zusammenarbeit mit Psychotherapeuten oder Schmerzmedizinern.

 

Die wichtigste Botschaft der Leitlinie

Akne inversa sollte früh und konsequent behandelt werden – nicht erst, wenn aus wiederkehrenden Knoten dauerhafte Tunnel und Narben geworden sind. Moderne Behandlung bedeutet, aktive Entzündung medikamentös zu kontrollieren und irreversible Gewebeschäden bei Bedarf gezielt operativ zu beseitigen. Welche Kombination sinnvoll ist, richtet sich nach Schweregrad, Krankheitsform und persönlichen Bedürfnissen des Patienten.

 

Weitere Informationen

Gute Anlaufstellen sind die Deutsche Akne Inversa Patientenvereinigung, die Selbsthilfegruppe mullewupp, die Hidradenitis Suppurativa Foundation e.V. (EHSF) sowie die Patienteninformationen von AWMF und DDG. Patientenvertretungen und Selbsthilfe waren ausdrücklich an der Erstellung dieser Leitlinie beteiligt.

 

Neutrale Basisinformationen bietet gesund.bund.de. Unterstützung und Patientennetzwerke finden sich beispielsweise beim Netzwerk Autoimmunerkrankter (NIK e.V.)