Psoriasis (Schuppenflechte) – Was empfiehlt die aktuelle Leitlinie?

Psoriasis (Schuppenflechte) – Was empfiehlt die aktuelle Leitlinie?

Zusammenfassungen der Leitlinien, Stand 11.09.2026

 

Patienteninformation nach der aktualisierten deutschen S3-Leitlinie zur Therapie der Psoriasis vulgaris, AWMF 013-001. Die hochgeladenen Leitlinienteile behandeln Therapie, Therapieziele, Kontrollen sowie besondere Situationen und Begleiterkrankungen; die Leitlinie ist bis 22.07.2030 gültig.

 

Was ist Psoriasis?

Psoriasis ist eine chronisch-entzündliche, nicht ansteckende Erkrankung, bei der das Immunsystem eine Entzündung vor allem der Haut auslöst. Häufig sind zusätzlich die Nägel betroffen; bei einem Teil der Patienten entwickelt sich eine Psoriasis-Arthritis mit Entzündungen der Gelenke oder Sehnenansätze. Psoriasis ist deshalb mehr als eine reine Hautkrankheit. Die beiden vorliegenden Leitlinienteile setzen diese grundsätzliche Krankheitsbeschreibung weitgehend voraus und konzentrieren sich vor allem auf die richtige Behandlung.

 

Wie wird die Erkrankung richtig beurteilt?

Ein guter Arzt beurteilt nicht allein, wie viel Haut betroffen ist, sondern auch, wie stark die Erkrankung den Patienten belastet. Dafür können der PASI zur Beurteilung der Hautveränderungen, die betroffene Körperoberfläche (BSA) und der DLQI für die Lebensqualität verwendet werden.

 

Besonders wichtig: Auch eine scheinbar kleinflächige Psoriasis kann schwer sein, wenn beispielsweise Gesicht, Kopfhaut, Genitalbereich, Handflächen, Fußsohlen oder Nägel stark betroffen sind, erheblicher Juckreiz besteht oder hartnäckige Plaques nicht auf die Therapie ansprechen. Diese sogenannten „Upgrade-Kriterien“ sollen bei der Einstufung berücksichtigt werden.

 

Auch mögliche Gelenkbeschwerden und die Auswirkungen der Erkrankung auf das tägliche Leben gehören zur Beurteilung. Unter einer Systemtherapie sollen Hautschwere, mögliche Arthritis und Lebensqualität regelmäßig dokumentiert werden.

 

Wie wird Psoriasis behandelt?

Die Behandlung richtet sich nach Schweregrad, betroffenen Körperstellen, Begleiterkrankungen, bisherigen Therapien und den persönlichen Wünschen des Patienten.

 

Bei leichter Psoriasis stehen äußerliche Behandlungen im Vordergrund, insbesondere kortisonhaltige Präparate, Vitamin-D-Präparate beziehungsweise deren Kombinationen und weitere Lokaltherapien. Auch eine UV-Lichttherapie kann je nach Situation eingesetzt werden. Die Therapieübersicht der Leitlinie zeigt den stufenweisen Übergang von Lokal- und Lichttherapie zur Systemtherapie.

 

Bei mittelschwerer bis schwerer Psoriasis wird ausdrücklich eine Systemtherapie empfohlen. Dafür stehen klassische Medikamente wie Methotrexat, Dimethylfumarat (nur noch selten Ciclosporin oder Acitretin), zielgerichtete Tabletten sowie zahlreiche Biologika zur Verfügung. Die moderne Leitlinie stärkt die Rolle dieser zielgerichteten Therapien und Biologika deutlich: Bei besonders schwerer Psoriasis kann bereits beim erstmaligen Beginn einer Systemtherapie ein dafür zugelassenes Biologikum oder Deucravacitinib eingesetzt werden.

 

Welches Medikament am besten geeignet ist, sollte gemeinsam entschieden werden. Dabei zählen nicht nur Wirksamkeit und Sicherheit, sondern beispielsweise auch Gelenkerkrankungen, Darmerkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, frühere Krebserkrankungen, Infektionsrisiken sowie Kinderwunsch und Schwangerschaft.

 

Was ist das Ziel der Behandlung?

 

Die Leitlinie setzt heute hohe Therapieziele. Angestrebt wird möglichst erscheinungsfreie oder nahezu erscheinungsfreie Haut und eine Lebensqualität, die durch die Psoriasis kaum noch beeinträchtigt wird. Als anzustrebendes Ziel nennt die Leitlinie beispielsweise eine mindestens 90-prozentige Verbesserung des PASI (PASI 90), einen absoluten PASI unter 2 oder einen DLQI von höchstens 1.

 

Ganz wichtig für Patienten: Eine Therapie, die nicht ausreichend hilft, sollte nicht einfach unverändert fortgeführt werden. Je nach Medikament wird das Therapieziel nach etwa 10–24 Wochen überprüft und anschließend regelmäßig kontrolliert. Wird das vereinbarte Ziel nicht erreicht, soll die Behandlung angepasst oder gewechselt werden.

 

Welche Kontrollen sind bei einer Systemtherapie notwendig?

 

Vor und während einer Systemtherapie sind je nach Medikament körperliche Untersuchungen und Blutkontrollen notwendig. Dabei werden unter anderem Blutbild, Leber- und Nierenfunktion sowie mögliche Infektionen berücksichtigt. Vor verschiedenen modernen Systemtherapien wird außerdem auf Hepatitis B und gegebenenfalls Hepatitis C sowie Tuberkulose untersucht.

 

Vor Beginn einer Biologika-Therapie oder einer Behandlung mit Deucravacitinib empfiehlt die Leitlinie einen Bluttest auf eine unbemerkte Tuberkuloseinfektion (IGRA). Ein zusätzliches Röntgenbild der Lunge ist bei negativem Test dagegen nur bei bestimmten Risikokonstellationen erforderlich.

 

Auch der Impfstatus sollte vor einer immunsuppressiven Systemtherapie überprüft und möglichst vervollständigt werden. Totimpfstoffe können im Allgemeinen auch während einer solchen Behandlung eingesetzt werden; bei Lebendimpfstoffen gelten besondere Einschränkungen.

 

Was kann ich selbst tun?

 

Nehmen Sie Ihre Behandlung regelmäßig und wie vereinbart ein beziehungsweise wenden Sie Cremes konsequent an. Informieren Sie Ihren Arzt über neue Gelenkbeschwerden, Infektionen, andere Erkrankungen und neue Medikamente. Halten Sie vereinbarte Blut- und Kontrolluntersuchungen ein und lassen Sie Ihren Impfstatus überprüfen.

 

Besonders wichtig ist, dass Sie dem Arzt sagen, was Sie persönlich an der Psoriasis am meisten belastet. Eine kleine Stelle im Gesicht, Genitalbereich oder an Händen kann für Sie wichtiger sein als eine größere, aber kaum störende Hautfläche. Die Leitlinie betont ausdrücklich, dass Therapieziele gemeinsam mit den Patienten festgelegt werden sollen.

 

Wann sollte ich mich erneut an meinen Arzt wenden?

 

Wenn die Behandlung nach der vereinbarten Zeit nicht deutlich genug wirkt, sollte über eine Anpassung gesprochen werden – moderne Therapieziele sind anspruchsvoll. Auch neue Gelenkschmerzen oder -schwellungen sollten angesprochen werden. Unter einer Systemtherapie sollten außerdem insbesondere Fieber, ungewöhnliche oder schwere Infektionen sowie andere neu auftretende Beschwerden zeitnah ärztlich abgeklärt werden; die Leitlinie verlangt vor und während bestimmter Therapien eine gezielte Kontrolle auf Infektionszeichen und -risiken.

 

Die wichtigste Botschaft der Leitlinie

 

Menschen mit Psoriasis müssen sich heute nicht mit einer nur mäßigen Besserung zufriedengeben. Das Ziel ist eine weitgehend oder vollständig erscheinungsfreie Haut und eine möglichst unbeeinträchtigte Lebensqualität. Gerade bei mittelschwerer bis schwerer Psoriasis stehen sehr wirksame moderne Behandlungen zur Verfügung, und Biologika können bei entsprechend schwerer Erkrankung inzwischen bereits früh eingesetzt werden. Welche Therapie gewählt wird, sollte individuell und gemeinsam mit dem Patienten entschieden werden.

 

Weitere Informationen

Empfehlenswert sind insbesondere der Deutsche Psoriasis Bund (DPB) sowie die Patienteninformationen von AWMF und Deutscher Dermatologischer Gesellschaft (DDG). Der DPB war auch direkt an der Erstellung der deutschen Leitlinie beteiligt. Er gibt auch eine Patientenfassung der Leitlnie heraus.  Weitere neutrale Informationen gibt es bei gesund.bund.de, in der Kampagne "Bittte berühren" der Dermatologen, in Form von Einzelberatung bei NIK e.V. sowie im OnlineForum Psoriasisnetz.de.